VNW-Tätigkeitsbericht 2018/19
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WOHNEN IN MECKLENBURG-VORPOMMERN


WIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG IM NORDOSTEN POSITIV
Die Aussage von Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Harry Glawe, „die Wirtschaft wächst, der Arbeitsmarkt ist in der besten Verfassung seit der Wiedervereinigung“, beschreibt die wirtschaftliche Entwicklung des Landes Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2018 also insgesamt positiv. Hauptsächlich binnenwirtschaftlich ausgerichtete Betriebe verweisen auf eine hohe Auslastung.

Chancen liegen außerdem bei den Zulieferbetrieben für die Automobil-, Luftfahrt- und Raumfahrtindustrie sowie der Medizintechnik. Die maritime Industrie ist der Durchstarter des abgelaufenen Jahres gewesen. Aufträge bei fast allen Werften sorgen für wachsende Beschäftigung. Auch Zulieferer siedeln sich im Umfeld an.

Das grundsätzliche Problem Fachkräftemangel hat jedoch nach wie vor Bestand. Zuletzt hat sich die Situation noch verschärft. Der Kampf der Unternehmen, aber auch der Bundesländer um die besten Fachkräfte ist im vollen Gange. Verstärkte Ausbildung in den suchenden Branchen wird sich erst mittelfristig positiv auswirken. 

Die gute wirtschaftliche Entwicklung bescherte der Baubranche zuletzt eine Auftragsflut, die man mit den vorhandenen Arbeitskräften am Markt schon lange nicht mehr bewältigen kann. Laut Statistischem Bundesamt wurden von Januar bis November 2018 in Deutschland 315.000 Wohnungsneu- oder Wohnungsumbauten genehmigt. Das sind gegenüber dem gleichen Zeitraum in 2017 0,5 Prozent mehr. Gerade im Bereich von Neubauvorhaben gab es ein Plus von 1,3 Prozent. 

In Mecklenburg-Vorpommern wurden laut Statistischem Bundesamt im Jahre 2017 für 6.827 Wohnungen Genehmigungen erteilt. Im Zeitraum Januar bis November 2018 betrug die Anzahl genehmigter Wohnungen 5.392. Dies ist ein Rückgang gegenüber 2017 für den gleichen Zeitraum um acht Prozent.

STEIGENDE BAUPREISE WERDEN ZUM PROBLEM

Aufgrund der aktuellen Situation der Bauindustrie und der vorhandenen Rahmenbedingungen wird davon ausgegangen, dass auch in 2019 das Bauhauptgewerbe einen positiven Konjunkturbeitrag für Mecklenburg- Vorpommern liefern wird. Allerdings zeigen die Zahlen, dass es vor allem die gestiegenen Baupreise sind, die den Umsatz der Baubranche steigen lassen.

Bei der Wohnraumförderung liegt in Mecklenburg-Vorpommern das Augenmerk auf der Weiterentwicklung der Wohnungsbestände durch Schaffung von barrierearmem und barrierefreiem Wohnraum. Im Fokus stehen zudem jene Haushalte, die günstigen Wohnraum zur Anmietung aufgrund ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse benötigen. Ziel ist es, sozial verträgliche Wohnkosten zu erhalten.

Es werden zinsgünstige Darlehen und Zuschüsse bereitgestellt. Momentan wird die Zuschussförderung durch die Mitgliedsunternehmen vorrangig genutzt. Mit der angepassten Richtlinie „Wohnungsbau Sozial“, die am 13. Februar 2019 durch das zuständige Ministerium vorgestellt wurde, soll die Entwicklung angespannter Wohnungsmärkte vermieden werden.

Das Landesprogramm Personenaufzüge und Lifte, bar­riere­armes Wohnen ist seit Jahren sehr beliebt und wird für die Anpassung bestehender Gebäude an zukünftigen Wohnkomfort stark genutzt. Mit Recht kann man es als eine Erfolgsgeschichte im Bereich des Wohnungsbaus bezeichnen.

Mit Sorge wird zunehmend die stetige Steigerung der Kosten für Baumaßnahmen gesehen, und es existieren mittlerweile Überlegungen in den Unternehmen, Investitionen für den Wohnungsbau in die Zukunft zu verschieben. Eine Nachjustierung der Förderprogramme in angemessenen zeitlichen Abständen ist unausweichlich.

Die organisierte Wohnungswirtschaft verweist schon seit Jahren darauf, dass zum einen zwar Programme für die Ertüchtigung von Bestandswohnungen angeboten, zum anderen aber Möglichkeiten zur Entwicklung des ländlichen Raumes abseits der Ballungsräume und Tourismusschwerpunkte nicht angeboten werden. Die Situation auf den Wohnungsmärkten, auch mit Hinblick auf eine zweite Sanierungswelle, macht das dringend erforderlich.

ZUSAMMENARBEIT LANDESREGIERUNG UND LANDESVERBAND
In den Gesprächen mit Landespolitik und Ministerien liegt das Hauptaugenmerk auf der Entwicklung des Landes und der dazugehörigen Wohnungsmärkte. Die besondere Herausforderung besteht darin, die unterschiedlichen Interessenlagen von Politik und Wohnungswirtschaft in Einklang zu bringen. Zwei Themenschwerpunkte standen 2018 im Vordergrund: die Altschulden der Mitgliedsunternehmen und die Schaffung von attraktivem Wohnraum unter Einsatz attraktiver Förderprogramme.

Eine Regelung für Gesellschaften mit Altschulden, deren Eigentümer Kommunen sind, zeichnet sich ab dem Jahr 2020 ab. Gegenüber Unternehmen mit anderen Eigentümerstrukturen, welche also über keine kommunale Beteiligung verfügen, ist das eine Benachteiligung. Auch hier sollte eine mögliche gleichwertige Alternative angeboten werden, um nicht durch Wettbewerbsnachteile ins Hintertreffen zu geraten.

Im Zeitalter sprudelnder Steuereinnahmen und stark steigender Baupreise ist es unabdinglich, den Wohnungsneu- und Wohnungsausbau im gesamten Land zu fördern. Echte Alternativen zur Stärkung des ländlichen Raums lassen bisher auf sich warten.
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ENTWICKLUNG DER WOHNKOSTEN
Die Kosten für Wohnen, Strom und Brennstoffe stiegen im vergangenen Jahr um ein Prozent. Bei einer differenzierteren Betrachtung der warmen Betriebskosten stiegen die Preise für Heizöl im Dezember 2018 bezogen auf Dezember 2017 um 13,9 Prozent. Weiterhin stiegen die Kosten für Fernwärme um 3,7 Prozent, gefolgt von den Kosten für Instandhaltung und Reparatur von Wohnungen und Wohngebäuden um 2,7 Prozent. Die Kosten für feste Brennstoffe und Strom gingen im Vergleichszeitraum hingegen um ein Prozent zurück.